eBay-Magazin: Auferstanden aus dem ‘Long Tail’ 1

Erstellt von René Keller am 29. Mai 2007

Seit dem 11.03.2007 erscheint deutschlandweit das ‘eBay-Magazin’.1 Verlegt wird das Magazin nicht von eBay selbst, sondern von Gruner + Jahr.2 Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine “eigenständige Redaktion” das Magazin erstellt. So eigenständig, dass es sicherlich dem Zufall zuzuschreiben ist, dass sich die Titelstory (”Wir haben ausgemistet: 2900 Euro verdient”) erstaunlich eng an der aktuellen eBay-Werbekampagne orientiert.3 Die Welt schließt ferner den Schluss, dass die Idee einer solchen “Community-Zeitschrift” ein neuer Trend ist, um hierüber Kunden über Abonnements zu binden und zu mehr Transaktionen zu bewegen. Hieraus macht auch eBay keinen Hehl und preist am selben Tag einen Preisvorteil in Höhe von 10% auf ein Abonnement an.4

Dennoch ist keine Neuentdeckung des Printkanals gegeben. Viele größere Instutitionen setzen seit je her den Printkanal zur Kundenpflege und -bindung ein. Darunter Krankenkassen, Mitarbeiterzeitungen5 großer Unternehmen und selbst die Post bietet mit “Einkauf aktuell” ein gedrucktes Kundenbindungsinstrument an. Neu ist viel mehr, dass die Gruppe der eBay-Nutzer nicht mehr eine kleine Nische ist, sondern mit 20 Mio. Nutzern ein Marktpotenzial bietet, das über den traditionellen Zeitschriftenvertrieb adressierbar ist.1

Doch welche Communitys haben eine derart große Nutzerzahl, dass sich ein eigener Printtitel lohnt? Und welche der eBay-Nutzer sind grundsätzlich an den Inhalten der eBay-Community interessiert, greifen aber nicht zu der Zeitschrift, weil sie nicht ausschließlich an eBay’s “Nachrichten” interessiert sind? Welche Informationen durchlaufen die Filter der “eigenständigen Redaktion” und welche nicht? Sicherlich zufällig wird es auch in dem eBay-Magazin keine Erfahrungsberichte von Benutzern geben, die übers Ohr gehauen wurden. Wie viele Communitys gibt es auf der Welt?

Durch das Erscheinen des eBay-Magazins wird klar gezeigt, dass Printmedien Relevanz haben. Führt man sich die ‘Long Tail’-Theorie von Chris Anderson6 vor Augen, wird deutlich, welche Potenziale in einem Printmedium stecken, welches automatisiert und abonnentspezifisch Inhalte aus nicht nur einer Community, sondern allen Bereichen des Internets zusammenstellt. Darüber hinaus kann dieses neue Medienobjekt mit aktuellen Inhalten, persönlichen Diensten (Terminkalender, Wetter, etc.), Nachrichten und Mehrwertdiensten bestückt werden. Berücksichtigt man ferner, dass auch die Werbung zielgruppengenau geschaltet werden kann, ist klar, dass dieses Medium eine wahre Innovation wäre. Das Start-Up “medieninnovation.com” plant derzeit die Entwicklung eines solchen Medienobjektes.7

Ohne ein solches Medium werden wir vielleicht noch ein paar weitere Web-Community-Zeitschriften erleben. Aber die meisten Community-Mitglieder bleiben vor dem Bildschirm sitzen, müssen die Informationen ihres Interessenskegels selbst zusammensuchen und können nicht auf eine monatliche oder wöchentliche Zusammenstellung in gedruckter Form zurück greifen; ungeachtet dessen, dass sie bereit wären, für diesen Service zu zahlen.

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[1] http://www.gujmedia.de/news/archiv/?id=207697
[2] http://www.welt.de/webwelt/article863362/Ebay_gibts_jetzt_auch_gedruckt.html
[3] http://www.dwdl.de/article/news_10889,00.html
[4] http://www2.ebay.com/aw/de/200705.shtml
[5] Zu verstehen als interne Kunden.
[6] http://en.wikipedia.org/wiki/The_Long_Tail
[7] http://www.medieninnovation.com

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